Tigecyclin
Tigecyclin®Tygacil®
Antibiotika – Tetracycline
Glycylcyclin
Indikation
Bei Erwachsenen und Kindern ab 8 Jahren:
· komplizierte Haut- und Weichgewebsinfektionen (cSSTI) — **ausgenommen** Infektionen des diabetischen Fußes
· komplizierte intraabdominelle Infektionen (cIAI)
Nur anzuwenden, wenn andere Antibiotika nicht geeignet sind: In klinischen Studien lag die Mortalität unter Tigecyclin numerisch höher als unter der Vergleichsmedikation
Dosierung
Erwachsene: Anfangsdosis 100 mg, danach 50 mg alle 12 Stunden über 5 bis 14 Tage
Kinder 8 bis unter 12 Jahre: 1,2 mg/kg KG alle 12 Stunden i.v., höchstens 50 mg alle 12 Stunden, über 5 bis 14 Tage
Jugendliche 12 bis unter 18 Jahre: 50 mg alle 12 Stunden über 5 bis 14 Tage
Unter 8 Jahren nicht anwenden — dauerhafte Zahnverfärbung.
Art der Anwendung: ausschließlich als intravenöse Infusion über 30 bis 60 Minuten; bei Kindern und Jugendlichen möglichst über 60 Minuten
Nebenwirkungen
Sehr häufig (3)
— ≥ 1/10
Durchfall, Erbrechen, Übelkeit
Häufig (22)
— ≥ 1/100 bis < 1/10
Abszess, Anorexie, Anstieg von AST und ALT, Bauchschmerzen, Dyspepsie, Erhöhte Amylase im Serum, Erhöhte Blut-Harnstoff-Stickstoff-Werte (BUN), Hautausschlag, Hyperbilirubinämie, Hypoglykämie, Hypoproteinämie, Infektionen, Kopfschmerzen, Phlebitis, Pneumonie, Prothrombinzeit verlängert, Pruritus, Reaktionen an der Injektionsstelle, Schwindel, Sepsis oder septischer Schock, Verlängerte aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT), Wundheilungsstörungen
Gelegentlich (10)
— ≥ 1/1.000 bis < 1/100
Akute Pankreatitis, Entzündung an der Injektionsstelle, Erhöhte INR, Ikterus, Leberschäden, meist cholestatisch bedingt, Phlebitis an der Injektionsstelle, Schmerzen an der Injektionsstelle, Thrombophlebitis, Thrombozytopenie, Ödem an der Injektionsstelle
Selten (1)
— ≥ 1/10.000 bis < 1/1.000
Hypofibrinogenämie
Nicht bekannt (3)
— auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar
Anaphylaxie und anaphylaktische Reaktionen, Leberinsuffizienz, Schwere Hautreaktionen einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom
Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen Tigecyclin. Patienten mit Überempfindlichkeit gegen Tetracycline können auch gegen Tigecyclin überempfindlich sein.
Nicht bei Kindern unter 8 Jahren und nicht in der Schwangerschaft, außer der klinische Zustand macht die Behandlung erforderlich
Wechselwirkungen
Warfarin: Die Clearance von R- und S-Warfarin sinkt um 40 % beziehungsweise 23 %, die AUC steigt um 68 % beziehungsweise 29 %. Signifikante INR-Verschiebungen sind daraus bislang nicht abzuleiten — weil Tigecyclin aber selbst Prothrombinzeit und aPTT verlängert, sind die Gerinnungsparameter bei gleichzeitiger Antikoagulation engmaschig zu überwachen.
Calcineurininhibitoren (Tacrolimus, Ciclosporin): die Serum-Talspiegel können ansteigen — Konzentrationen überwachen.
Orale Kontrazeptiva können wie unter anderen Antibiotika in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt sein.
Digoxin: keine Wechselwirkung, keine Dosisanpassung.
Tigecyclin wird kaum metabolisiert und hemmt oder induziert die CYP-450-Enzyme nicht — Wechselwirkungen über diesen Weg sind nicht zu erwarten
Wirkungsmechanismus
Erstes Glycylcyclin (ATC J01AA12), ein Derivat von Minocyclin. Es bindet an die 30S-Untereinheit des Ribosoms und blockiert die Anlagerung der Aminoacyl-tRNA an die A-Stelle — der Einbau weiterer Aminosäuren in die wachsende Peptidkette unterbleibt. Die Wirkung ist im Allgemeinen bakteriostatisch.
Entscheidender Vorteil gegenüber den Tetracyclinen: Tigecyclin überwindet deren beide Hauptresistenzwege — ribosomalen Schutz und Efflux. Das Spektrum ist sehr breit und schließt MRSA, VRE und ESBL-Bildner ein.
Lücken bleiben: Proteus, Providencia und Morganella sowie Pseudomonas aeruginosa sind über chromosomale Multidrug-Effluxpumpen weniger empfindlich; bei Enterobacteriaceae besteht Kreuzresistenz zu Minocyclin-resistenten Isolaten über MDR-Effluxpumpen
Dosierung bei Niereninsuffizienz
Niereninsuffizienz: keine Dosisanpassung nötig — auch nicht bei Hämodialyse.
Leberfunktionsstörung:
· Child-Pugh A und B: keine Anpassung
· Child-Pugh C: Dosis um 50 % reduzieren — nach der Anfangsdosis von 100 mg auf 25 mg alle 12 Stunden; engmaschig auf Ansprechen überwachen
Ältere Patienten: keine Anpassung
Schwangerschaft & Stillzeit
Es liegen keine oder nur begrenzte Daten zur Anwendung bei Schwangeren vor; im Tierversuch zeigte sich Reproduktionstoxizität. Wie andere Tetracycline kann Tigecyclin in der zweiten Schwangerschaftshälfte und bei Kindern unter 8 Jahren zu dauerhafter Zahnverfärbung mit Schmelzverlust und zu verzögerter Knochenbildung führen — Ursache ist die Anreicherung in calciumreichem Gewebe über einen Chelatkomplex.
Tigecyclin darf in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der klinische Zustand der Frau es erfordert.
Stillzeit: Beim Menschen ist der Übertritt in die Muttermilch nicht untersucht, im Tierversuch findet er statt. Über Abstillen oder Therapieverzicht ist im Einzelfall zu entscheiden.
Fertilität: beim Menschen nicht untersucht; bei Ratten kein Hinweis auf eine Beeinträchtigung
Halbwertszeit
ca. 42 h
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Zuletzt aktualisiert: 12.09.2026
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Quelle: Fachinformation, abrufbar über das Arzneispezialitätenregister
des BASG. Wirkmechanismus und Dosierung bei Niereninsuffizienz sind redaktionelle
Zusammenfassungen. Redaktion: Dr. Maximilian Raidl.