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Pivmecillinam

Selexid®
Antibiotika – Penicilline
β-Lactam
Indikation
Akute, unkomplizierte Harnwegsinfektionen (Zystitis, Pyelitis, Pyelonephritis) sowie Salmonellosen durch Mecillinam-empfindliche Erreger — bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren. Auch zur Behandlung der asymptomatischen oder symptomatischen Bakteriurie in der Schwangerschaft
Dosierung
Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren über 40 kg: · Akute Harnwegsinfektion: 3 × 200 mg täglich über 5–10 Tage · Unkomplizierte akute Zystitis: 2 × 400 mg täglich über 3 Tage · Bakteriurie in der Schwangerschaft: 3 × 200 mg täglich über 1 Woche · Salmonellose: 3 × 400–800 mg täglich über 2 Wochen · Salmonellen-Dauerausscheider: 3 × 400–800 mg täglich über 2–4 Wochen Kinder ab 6 Jahren unter 40 kg: 20–40 mg/kg KG pro Tag auf 3–4 Einzeldosen, höchstens 1200 mg täglich Art der Anwendung: unzerkaut während einer Mahlzeit mit mindestens einem halben Glas Flüssigkeit einnehmen — sonst droht eine Reizung oder Ulzeration des Ösophagus
Nebenwirkungen
Häufig (3) — ≥ 1/100 bis < 1/10
Durchfall, Vulvovaginale Pilzinfektion, Übelkeit
Gelegentlich (18) — ≥ 1/1.000 bis < 1/100
Abdominale Beschwerden, Abnormale Leberfunktion, Anaphylaktische Reaktion, Benommenheit, Clostridium-difficile-Kolitis, Dyspepsie, Erbrechen, Erschöpfung, Hautausschlag (erythematös, makulär oder makulopapulär), Kopfschmerzen, Mundulzera, Pruritus, Schwindel, Thrombozytopenie, Urtikaria, Verminderte Carnitin-Werte, Ösophageale Ulzeration, Ösophagitis
Nicht bekannt (5) — auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar
Anaphylaktischer Schock, Angioödem, DRESS-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom, Toxische epidermale Nekrolyse
Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen Pivmecillinam, Penicilline oder Cephalosporine; obstruktive Veränderungen des Gastrointestinaltrakts, die die Ösophaguspassage behindern; genetische Stoffwechselstörungen mit Carnitinmangel — Carnitin-Transporter-Defekt, Methylmalonazidurie, Propionazidämie. Nicht anwenden bei Porphyrie: Pivmecillinam wird mit akuten Porphyrie-Attacken in Verbindung gebracht
Wechselwirkungen
Probenecid vermindert die Ausscheidung von Mecillinam und erhöht dessen Blutspiegel. Die Clearance von Methotrexat kann unter Penicillinen vermindert sein. Bakteriostatische Antibiotika wie Erythromycin und Tetracycline können die bakterizide Wirkung hemmen. Valproinsäure, Valproat und andere Arzneimittel, die Pivalinsäure freisetzen, erhöhen das Risiko einer Carnitin-Verarmung — Kombination vermeiden. Neugeborenen-Screening: Einnahme kurz vor der Geburt kann über gebildetes Pivaloylcarnitin einen falsch positiven Test auf Isovalerianazidämie auslösen — jede positive Probe mit einem Zweitverfahren nachtesten
Wirkungsmechanismus
Orales Prodrug (ATC J01CA08): der Pivaloyloxymethylester der Amidinopenicillansäure. Nach der Aufnahme wird Pivmecillinam durch unspezifische Esterasen in Blut, Darmschleimhaut und Gewebe zu Mecillinam hydrolysiert, dem eigentlichen Wirkstoff. Mecillinam bindet bevorzugt an das Penicillin-bindende Protein 2 (PBP-2) gramnegativer Bakterien — anders als die meisten Betalaktame, die an PBP-1A, -1B oder -3 ansetzen. Daraus ergibt sich ein schmales, überwiegend gramnegatives Spektrum: Escherichia coli, Klebsiella, Proteus mirabilis, Citrobacter, Enterobacter, Salmonella. Natürlich resistent sind Enterokokken, Staphylokokken, Streptokokken und Pseudomonas. Die Wirkung ist zeitabhängig (T > MHK). Auf die normale Haut-, Mund-, Darm- und Vaginalflora hat Pivmecillinam nur geringen Einfluss; mit anderen Betalaktamen wirkt es gegen viele Enterobakterien synergistisch
Dosierung bei Niereninsuffizienz
Die Ausscheidung von Mecillinam ist bei eingeschränkter Nierenfunktion verzögert. Anfangsdosis und Dosierungsintervall bleiben unverändert, nur die Erhaltungsdosis wird angepasst: · CrCl ≥ 30 ml/min: volle Dosis · CrCl 10–30 ml/min: 50 % der Dosis · CrCl < 10 ml/min: 25 % der Dosis Leberfunktionsstörung: keine Anpassung nötig. Ältere Menschen: die Ausscheidung ist verzögert, eine nennenswerte Anreicherung ist bei der üblichen Erwachsenendosis aber nicht zu erwarten — keine Anpassung
Schwangerschaft & Stillzeit
Umfangreiche Erfahrung mit mehr als 1000 Schwangerschaftsausgängen ergibt keinen Hinweis auf ein Fehlbildungsrisiko oder fetale beziehungsweise neonatale Toxizität. Die Anwendung in der Schwangerschaft ist bei klinischer Notwendigkeit möglich — die Behandlung der Schwangerschaftsbakteriurie ist ausdrücklich ein Anwendungsgebiet. Zu beachten: Einnahme kurz vor der Geburt kann beim Neugeborenen-Screening eine Isovalerianazidämie vortäuschen. Stillzeit: Mecillinam geht in die Muttermilch über, Auswirkungen auf das gestillte Kind sind bei therapeutischen Dosen nicht zu erwarten — Anwendung möglich. Fertilität: keine klinischen Studien; im Tierversuch kein Einfluss
Halbwertszeit
aktiver Metabolit Mecillinam: ca. 1 h
Wirkstoffpeak (tmax)
oral: 1–1,5 h
Fachinformation öffnen ↗ Zuletzt aktualisiert: 12.09.2026
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Quelle: Fachinformation, abrufbar über das Arzneispezialitätenregister des BASG. Wirkmechanismus und Dosierung bei Niereninsuffizienz sind redaktionelle Zusammenfassungen. Redaktion: Dr. Maximilian Raidl.