Penicillin G (Benzylpenicillin)
Penicillin G Kabi®Penicillin G-Natrium Sandoz®
Antibiotika – Penicilline
β-Lactam
Indikation
Infektionen durch penicillinempfindliche Erreger: Haut- und Wundinfektionen, Erysipel, ambulant erworbene Pneumonie, Empyem, bakterielle Endokarditis, Peritonitis, Meningitis, Hirnabszess, Osteomyelitis, Diphtherie (zusätzlich zu Antitoxin), Genitalinfektionen durch Fusobakterien.
Spezifische Infektionen: Milzbrand, Tetanus, Gasbrand, Listeriose, Pasteurellose, Rattenbissfieber, Fusospirochätose, Aktinomykose, Lyme-Borreliose.
Komplikationen bei Gonorrhoe und Syphilis (z. B. gonorrhoische Endokarditis oder Arthritis, konnatale Syphilis) — bei Gonorrhoe nur bei nachgewiesener Penicillinempfindlichkeit des Isolats
Dosierung
Umrechnung: 1 Mio IE ≙ ca. 600 mg Benzylpenicillin-Natrium
Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren (i.v.):
· Normaldosis 0,03 Mega IE/kg/Tag — etwa 1–5 Mega IE/Tag (0,6–3 g), verteilt auf 4–6 Gaben
· Hochdosis 0,3 Mega IE/kg/Tag — etwa 10–40 Mega IE/Tag (6–24 g), verteilt auf 4–6 Gaben
Kinder ab 1 Monat bis 12 Jahre: 0,03–0,1 Mega IE/kg/Tag, hochdosiert 0,1–0,5 (–1,0) Mega IE/kg/Tag, auf 4–6 Gaben
Neugeborene (2.–4. Lebenswoche): 0,03–0,1 Mega IE/kg/Tag in 3–4 Einzelgaben; Früh- und Neugeborene bis zur 2. Lebenswoche in 2 Einzelgaben — das Dosierungsintervall darf 12 Stunden nicht unterschreiten
Besondere Lagen:
· Endokarditis 10–80 Mega IE/Tag i.v. zusammen mit einem Aminoglykosid
· Meningitis höchstens 20–30 Mega IE/Tag (Kinder 12 Mega IE) — erhöhte Krampfbereitschaft und Jarisch-Herxheimer-Reaktion; bei schwerem Bild die erste Gabe protrahiert, zunächst ¼ der Einzeldosis
· Lyme-Borreliose 20–30 Mega IE/Tag über 14 Tage
Art der Anwendung: Kurzinfusion über 15–30 Minuten. Bei Dosen über 2 Mega IE höchstens 500.000 IE pro Minute infundieren — zu rasche Gabe löst zerebrale Krämpfe und Elektrolytstörungen aus. Nicht mit glukosehaltigen Lösungen mischen
Nebenwirkungen
Häufig (7)
— ≥ 1/100 bis < 1/10
Direkter Coombs-Test positiv, Erhöhte 17-Ketosteroide im Harn (Zimmermann-Reaktion), Falsch positive Aminosäurebestimmung im Harn (Ninhydrin-Methode), Falsch positive Eiweißbestimmung im Harn (Folin-Ciocalteu-Lowry-, Biuret-Methode), Falsch positiver Urobilinogennachweis im Harn, Falsch positiver nicht-enzymatischer Harnzuckernachweis, Vortäuschung einer Pseudobisalbuminämie in der Eiweißelektrophorese
Gelegentlich (18)
— ≥ 1/1.000 bis < 1/100
Anaphylaktoide Reaktion, Anaphylaxie, Asthma im Rahmen einer allergischen Reaktion, Durchfall, Erbrechen, Erythema multiforme, Exfoliative Dermatitis, Fieber, Gastrointestinale Beschwerden im Rahmen einer allergischen Reaktion, Gelenkschmerzen, Glossitis, Paraallergische Reaktionen bei Dermatomykosen, Pseudomembranöse Kolitis, Purpura, Schwarze Haarzunge, Stomatitis, Urtikaria, Übelkeit
Selten (10)
— ≥ 1/10.000 bis < 1/1.000
Albuminurie, Durchfall durch Clostridium difficile, Elektrolytstörungen bei rascher Infusion von mehr als 10 Mega IE, Hämaturie, Krampfanfälle bei hohen Dosen (über 20 Mega IE), Nephropathie nach mehr als 10 Mega IE intravenös, Neuropathie, Oligurie oder Anurie unter hochdosierter Therapie, Schwere lokale Reaktionen bei intramuskulärer Gabe an Säuglingen, Zylindrurie
Sehr selten (8)
— < 1/10.000
Agranulozytose, Blutgerinnungsstörungen, Eosinophilie, Granulozytopenie, Hämolytische Anämie, Leukopenie, Neutropenie, Panzytopenie
Nicht bekannt (18)
— auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar
Akute generalisierte exanthematöse Pustulose, Angioödem, Blutungszeit verlängert, Cholestase, DRESS-Syndrom, Erythem, Hepatitis, Jarisch-Herxheimer-Reaktion bei Spirochäteninfektionen, Makulopapulöses Exanthem, Masernähnlicher Hautausschlag, Metabolische Enzephalopathie, Pemphigoid, Prothrombinzeit verlängert, Pruritus, Serumkrankheit, Stevens-Johnson-Syndrom, Thrombozytopenie, Toxische epidermale Nekrolyse
Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen Benzylpenicillin; Penicillinüberempfindlichkeit in der Anamnese; frühere schwere allergische Reaktion (z. B. Anaphylaxie) auf ein anderes Betalaktam-Antibiotikum — Cephalosporin, Carbapenem oder Monobaktam
Wechselwirkungen
Nicht mit bakteriostatischen Antibiotika kombinieren — Benzylpenicillin wirkt nur auf wachsende Keime.
Probenecid hemmt die tubuläre Sekretion: höhere Serumspiegel, längere Halbwertszeit; zugleich schlechtere Penetration in den Liquor.
Indometacin, Phenylbutazon und hochdosierte Salicylate hemmen die Ausscheidung ebenfalls kompetitiv.
Methotrexat wird verzögert ausgeschieden — Toxizität möglich; Kombination meiden, sonst Dosis senken und Spiegel kontrollieren.
Orale Antikoagulanzien (Warfarin, Acenocoumarol): vereinzelt erhöhte Blutungsneigung — Prothrombinzeit überwachen.
Digoxin: Vorsicht wegen Bradykardierisiko.
Sinnvolle bakterizide Partner sind Isoxazolylpenicilline, Aminopenicilline und Aminoglykoside; Aminoglykoside nach Möglichkeit getrennt geben. Keine Mischspritzen und keine Zumischung zu kohlenhydrathaltigen Lösungen
Wirkungsmechanismus
Betalaktam-Antibiotikum (ATC J01CE01), nicht betalaktamasefest. Hemmt die bakterielle Zellwandsynthese in der Wachstumsphase durch Blockade der Penicillin-bindenden Proteine, etwa der Transpeptidasen — bakterizid. Die Wirkung ist zeitabhängig: entscheidend ist die Zeit oberhalb der MHK, daher die Gabe auf 4–6 Einzeldosen oder als Dauerinfusion.
Resistenz entsteht durch Betalaktamasen (Staphylokokken, Gonokokken), veränderte PBPs (Pneumokokken, MRSA), unzureichende Penetration durch die äußere Zellwand gramnegativer Keime und Effluxpumpen. Teilweise oder vollständige Kreuzresistenz mit anderen Penicillinen und Cephalosporinen
Dosierung bei Niereninsuffizienz
Erwachsene, bezogen auf eine Normdosis von 40 Mega IE/Tag:
· CrCl 100–60 ml/min: 40 (–60) Mega IE/Tag unter 60 Jahren, 10–40 Mega IE/Tag über 60 Jahren — in 3–6 Einzelgaben
· CrCl 50–40 ml/min: 10–20 Mega IE/Tag in 3 Einzelgaben
· CrCl 30–10 ml/min: 5–10 Mega IE/Tag in 2–3 Einzelgaben
· CrCl < 10 ml/min: 2–5 Mega IE/Tag in 1–2 Einzelgaben
Kinder ab 1 Monat: bei GFR 10–50 ml/min/1,73 m² die normale Dosis alle 8–12 Stunden, bei GFR < 10 alle 12 Stunden.
Früh- und Neugeborene bis zur 4. Lebenswoche mit eingeschränkter Nierenfunktion: nicht geeignet.
Leberfunktionsstörung: keine Dosisreduktion nötig, solange die Nierenfunktion erhalten ist
Schwangerschaft & Stillzeit
Benzylpenicillin ist plazentagängig; 1–2 Stunden nach der Gabe entsprechen die fetalen Serumspiegel den mütterlichen. Tierexperimentell keine Hinweise auf Reproduktionstoxizität. Anwendung in der Schwangerschaft bei entsprechender Indikation und Nutzen-Risiko-Abwägung möglich — zur Behandlung der Syphilis in der Schwangerschaft ist diese Darreichungsform jedoch nicht angezeigt.
Stillzeit: Übertritt in geringen Mengen in die Muttermilch. Nebenwirkungen beim Säugling wurden bislang nicht berichtet, Sensibilisierung und Störung der Darmflora sind aber möglich. Die Fachinformation empfiehlt, während der Behandlung abzupumpen und zu verwerfen und 24 Stunden nach Therapieende wieder zu stillen.
Fertilität: nicht untersucht
Halbwertszeit
ca. 30 min
Wirkstoffpeak (tmax)
i.m.: 15–30 min
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Zuletzt aktualisiert: 12.09.2026
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Leitlinien und medizinische Fachkräfte zu konsultieren.
Quelle: Fachinformation, abrufbar über das Arzneispezialitätenregister
des BASG. Wirkmechanismus und Dosierung bei Niereninsuffizienz sind redaktionelle
Zusammenfassungen. Redaktion: Dr. Maximilian Raidl.