Colistin
Colistin
Antibiotika – Polymyxine
Polymyxin
Indikation
Schwerwiegende Infektionen durch ausgewählte aerobe gramnegative Erreger bei Erwachsenen und Kindern einschließlich Neugeborenen, wenn die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Inhalativ: chronische pulmonale Infektion durch Pseudomonas aeruginosa bei zystischer Fibrose
Dosierung
Erhaltungsdosis 9 Millionen I.E./Tag i.v. in 2–3 Einzeldosen
Bei schwerkranken Patienten Aufsättigung mit einmalig 9 Millionen I.E. — auch bei eingeschränkter Nierenfunktion und unter Nierenersatztherapie
Inhalativ (zystische Fibrose): 1–2 Millionen I.E. 2–3× täglich (maximal 6 Millionen I.E./Tag); Kinder unter 2 Jahren 0,5–1 Million I.E. 2× täglich
Dosis in Internationalen Einheiten angeben — die Umrechnung in mg Colistin-Basisaktivität unterscheidet sich je nach Präparat und ist eine bekannte Fehlerquelle
Nebenwirkungen
Sehr häufig (9)
— ≥ 1/10
Anstieg von Harnstickstoff und Kreatinin im Serum, Bronchospasmus (Inhalation), Dyspnoe (Inhalation), Parästhesien (perioral, lingual, periorbital, digital), Pharyngitis (Inhalation), Schleimhautentzündungen (Inhalation), Vermehrte Sputumproduktion (Inhalation), Vermehrter Husten (Inhalation), Verminderung der glomerulären Filtration
Häufig (11)
— ≥ 1/100 bis < 1/10
Albuminurie, Benommenheit, Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen, Hämaturie, Juckreiz, Muskelschwäche, Schwindel, Zylindrurie, Übelkeit, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag und Juckreiz
Selten (1)
— ≥ 1/10.000 bis < 1/1.000
Schmerzen an der Injektionsstelle bei intramuskulärer Gabe
Nicht bekannt (23)
— auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar
Akutes Nierenversagen, Angioödem, Arzneimittelfieber, Ataxie, Atemstillstand, Exantheme, Halluzinationen, Hörverlust, Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Krampfanfälle und Cauda-equina-Syndrom bei intrathekaler Anwendung, Leukopenie, Myasthenia-gravis-ähnliche Symptome, Neuromuskuläre Blockade, Orale Candidiasis (Inhalation), Pseudo-Bartter-Syndrom, Pseudomembranöse Kolitis, Reversible Sehstörungen, Reversible Sprachstörungen, Schlechter Geschmack (Inhalation), Thrombozytopenie, Urtikaria, Zungenbrennen (Inhalation)
Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen Colistimethat-Natrium, Colistin oder andere Polymyxine
Wechselwirkungen
Große Vorsicht mit anderen nephrotoxischen oder neurotoxischen Arzneimitteln. Nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien: Wirkung verlängert — Colistin beeinflusst die Acetylcholinfreisetzung. Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung anderer Colistimethat-Zubereitungen wegen summativer Toxizität. Keine Induktion der geprüften CYP-Enzyme
Wirkungsmechanismus
Zyklisches Polypeptid aus der Gruppe der Polymyxine (Polymyxin E). Bindet an das Lipopolysaccharid der äußeren Membran, verdrängt Kalzium und Magnesium und zerstört die Membranpermeabilität — bakterizid. Selektiv für aerobe gramnegative Bakterien mit hydrophober äußerer Membran. Natürlich resistent sind unter anderem Proteus mirabilis und Burkholderia cepacia; erworbene Resistenz über Austausch der Phosphatgruppen des Lipopolysaccharids. Colistimethat-Natrium ist ein inaktives Prodrug, das im Körper zu Colistin umgewandelt wird. ATC J01XB01
Dosierung bei Niereninsuffizienz
CrCl ≥ 50 ml/min: 9 Millionen I.E./Tag
CrCl < 50–30: 5,5–7,5 Millionen I.E./Tag
CrCl < 30–10: 4,5–5,5 Millionen I.E./Tag
CrCl < 10: 3,5 Millionen I.E./Tag
Jeweils auf zwei Gaben täglich verteilen.
Hämodialyse: an dialysefreien Tagen 2,25 Millionen I.E./Tag, an Dialysetagen 3 Millionen I.E. nach der Sitzung. Colistin ist durch Hämodialyse und CVVH(D)F dialysierbar; feste Empfehlungen sind wegen dünner Datenlage nicht möglich
Schwangerschaft & Stillzeit
Keine ausreichenden Erfahrungen. Colistimethat-Natrium überwindet die Plazentaschranke; bei wiederholter Gabe ist fetale Toxizität möglich. Anwendung nur, wenn der Nutzen für die Mutter das Risiko für den Fötus überwiegt. Stillzeit: Übertritt in die Muttermilch — Stillen wird nicht empfohlen.
Halbwertszeit
Colistimethat (gesamt): ca. 3,0 h (terminal)
Colistin (frei): ca. 6,4 h (terminal)
Wirkstoffpeak (tmax)
inhalativ: 0,5–1 h
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Zuletzt aktualisiert: 12.09.2026
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Quelle: Fachinformation, abrufbar über das Arzneispezialitätenregister
des BASG. Wirkmechanismus und Dosierung bei Niereninsuffizienz sind redaktionelle
Zusammenfassungen. Redaktion: Dr. Maximilian Raidl.